Kirche

Die Kirche der Brüdergemeine wurde 1874/75 errichtet. Bis dahin stand an dieser Stelle der Betsaal, ein 1756 im Herrnhuter Barock errichteter Kirchensaal, der zum Vorbild für viele andere Kirchensäle Herrnhuter Orte wurde. Dieser Betsaal stand in gleicher Front mit dem Brüder- und dem Schwesternhaus. Durch das Anwachsen der Nieskyer Bevölkerung wurde er jedoch zu klein. Deshalb baute man die neue Kirche direkt dahinter und nutzte den Saal noch bis zu ihrer Fertigstellung. Der Kircheninnenraum ist außergewöhnlich schlicht, in Weiß gehalten, ohne Bilder, Plastiken oder andere Schmuckelemente. Hier treffen sich die Mitglieder der Brüdergemeine zu ihren Gottesdiensten.
 
Kirche der Brüdergemeine
 
Die Brüdergemeine ist eine kleine, selbständige und überregionale evangelische Kirche. Sie hat ihre Wurzeln in der vor über 500 Jahren aus der tschechischen früh-reformatorischen Hussiten-Bewegung entstandenen Kirche der böhmischen Brüder. Getreu der Botschaft Jesu wollten Menschen, ungeachtet ihres sozialen Standes, in geschwisterlicher Verbundenheit miteinander arbeiten und leben. Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges sammelten sich die Reste der protestantischen Böhmen und Mähren in der Oberlausitz und legten 1722 den Ort Herrnhut an. Wesentlich gefördert wurde Herrnhut durch seinen Grundherrn, den Grafen Zinzendorf. Er erschuf neue Formen des Zusammenlebens, die wahrhafte Brüderlichkeit ermöglichte. Die Brüderunität breitete sich rasch aus, Missionare brachten die Botschaft über den ganzen Erdball.

Der Gottesacker der Brüdergemeine Niesky
Die verstorbenen Gemeinemitglieder werden in schlichten, weißen Särgen bestattet. Der Trauerzug führt die Gemeine vom Kirchsaal am Zinzendorfplatz über die mit Linden umsäumte Gottesackerallee. Über dem Portal des Eingangstores zum Gottesacker zeugen die Bibelworte: "ICH LEBE UND IHR SOLLT AUCH LEBEN. JOH XIV 19" von der tiefen Glaubenszuversicht auf Auferstehung. Die Trauer um die Verstorbenen, die wie "Saatkörner" in den "Acker Gottes" gelegt werden, ist eingebunden in die Osterbotschaft. Der Hauptweg trennt den Gottesacker in zwei Hälften. Rechts befinden sich die Ruheplätze der Schwestern und links die Grabstätten der Brüder. Die Verstorbenen werden nach der Reihenfolge ihres Heimgangs bestattet. Die schlichten, zu ebener Erde liegenden Steinplatten sind im ersten Moment inmitten der Heidekrautflächen kaum zu erkennen und symbolisieren in ihrer Einfachheit die Gleichheit aller Menschen im Tode und vor Gott. Die erste Reihe mit den ältesten Grabsteinen der Brüder wurde freigelegt und restauriert. Hier findet man auch das Grab des Gründers von Niesky, Johann Raschke.